Unterschied zwischen EPA, DHA und ALA

Die drei Omega-3-Fettsäuren im direkten Vergleich: Aufbau, Wirkung, Quellen und warum Sie alle drei kennen sollten.

Ringo Dühmke
Verfasst von Ringo Dühmke
Aktualisiert: 16. März 2026
Lesezeit: ca. 14 Min.

EPA, DHA und ALA im Überblick

Hinter dem Begriff „Omega-3-Fettsäuren" verbergen sich drei chemisch verwandte, aber funktionell sehr unterschiedliche Fettsäuren. Wer sich mit dem Thema Omega-3 beschäftigt, stößt schnell auf die Abkürzungen EPA, DHA und ALA. Doch was genau unterscheidet sie voneinander? Und warum reicht es häufig nicht aus, nur eine der drei Formen zu sich zu nehmen?

Der entscheidende Unterschied liegt in der Kettenlänge, der Anzahl der Doppelbindungen, dem Vorkommen in der Nahrung und den jeweiligen Funktionen im Körper. ALA ist die kurzkettige, pflanzliche Grundform. EPA und DHA sind langkettige, marine Fettsäuren mit eigenständigen biologischen Wirkungen. Der Körper kann ALA zwar grundsätzlich in EPA und DHA umbauen, doch dieser Prozess läuft beim Menschen äußerst ineffizient ab.

ALA Alpha-Linolensäure
🌱 Pflanzlich · Kurzkettig

C18:3 · 18 C-Atome · 3 Doppelbindungen

EPA Eicosapentaensäure
🐟 Marin · Langkettig

C20:5 · 20 C-Atome · 5 Doppelbindungen

DHA Docosahexaensäure
🧠 Marin · Langkettig

C22:6 · 22 C-Atome · 6 Doppelbindungen

ALA

ALA: Die pflanzliche Basisform

Alpha-Linolensäure (ALA) ist die einzige Omega-3-Fettsäure, die im strengen wissenschaftlichen Sinne als essentiell gilt: Der menschliche Körper besitzt keinerlei Fähigkeit, sie selbst herzustellen. Sie muss daher vollständig über die Ernährung aufgenommen werden. ALA ist eine kurzkettige Fettsäure mit 18 Kohlenstoffatomen und drei Doppelbindungen.

ALA kommt fast ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Die ergiebigsten Quellen sind Leinöl (mit bis zu 60 % ALA-Anteil), Chiasamen, Leinsamen, Walnüsse, Hanföl und Rapsöl. Im Körper dient ALA als Vorstufe für die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Darüber hinaus wird ALA als Bestandteil von Zellmembranen verbaut und als Energielieferant genutzt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für ALA eine Zufuhr von 0,5 % der täglichen Nahrungsenergie. Bei einer durchschnittlichen Kalorienzufuhr von 2.400 kcal entspricht das rund 1,3 g ALA pro Tag. Diese Menge lässt sich bereits mit einem Esslöffel Rapsöl oder einem Teelöffel Leinöl decken.

Stärken von ALA: Weit verbreitet in pflanzlichen Lebensmitteln, kostengünstig, gut in den Alltag integrierbar, deckt die Grundversorgung mit Omega-3.

Grenzen von ALA: Kann die Funktionen von EPA und DHA nicht vollständig übernehmen. Die Umwandlungsrate ist mit ca. 5 bis 10 % (zu EPA) und weniger als 0,5 % (zu DHA) beim Menschen sehr gering. Pflanzliche ALA allein reicht für eine optimale Omega-3-Versorgung in der Regel nicht aus.

EPA

EPA: Der Entzündungshemmer

Eicosapentaensäure (EPA) ist eine langkettige Omega-3-Fettsäure mit 20 Kohlenstoffatomen und fünf Doppelbindungen. Sie kommt hauptsächlich in fettem Seefisch (Lachs, Makrele, Hering, Sardine) und in Öl aus Mikroalgen vor. Im Körper entfaltet EPA ihre Hauptwirkung als Ausgangsstoff für entzündungshemmende Botenstoffe.

Aus EPA entstehen sogenannte Eicosanoide, Resolvine und Protectine. Diese Botenstoffe regulieren Entzündungsprozesse im gesamten Körper, verbessern die Fließeigenschaften des Blutes und erweitern die Blutgefäße. Das macht EPA besonders bedeutsam für den Schutz des Herz-Kreislauf-Systems. Die Gegenspieler dieser entzündungshemmenden Botenstoffe entstehen aus Omega-6-Fettsäuren (insbesondere Arachidonsäure), die eher entzündungsfördernd wirken.

EPA beeinflusst außerdem den Triglyceridspiegel im Blut. Bei einer täglichen Aufnahme von 2 bis 3 g EPA und DHA können die Triglyceridwerte nach Angaben der EFSA signifikant gesenkt werden. Dieser Effekt ist wissenschaftlich gut belegt und als zugelassene gesundheitsbezogene Aussage (Health Claim) in der EU anerkannt.

Stärken von EPA: Starke entzündungshemmende Wirkung, senkt Triglyceride, schützt Blutgefäße, unterstützt die Herzgesundheit. In der Forschung auch im Zusammenhang mit psychischem Wohlbefinden untersucht.

Grenzen von EPA: Kommt fast nicht in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Vegetarier und Veganer benötigen Algenöl als Quelle. EPA ist kein struktureller Baustein des Gehirns, diese Rolle übernimmt DHA.

DHA

DHA: Der Gehirnbaustein

Docosahexaensäure (DHA) ist mit 22 Kohlenstoffatomen und sechs Doppelbindungen die längste und flexibelste der drei Omega-3-Fettsäuren. Diese besondere Struktur macht DHA zum idealen Baustein für Zellmembranen, die eine hohe Geschmeidigkeit erfordern. Tatsächlich besteht ein großer Teil der Fettsäuren im menschlichen Gehirn und in der Netzhaut des Auges aus DHA.

Rund 40 % der mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Gehirn sind DHA. In der Netzhaut (Retina) liegt der Anteil sogar noch höher. DHA sorgt dafür, dass die Nervenzellmembranen durchlässig genug bleiben, um Signale schnell weiterzuleiten. Für die kognitive Leistungsfähigkeit, das Gedächtnis und die Sehkraft ist DHA daher unverzichtbar.

Besonders kritisch ist eine ausreichende DHA-Versorgung während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter: Das kindliche Gehirn wächst in den letzten Schwangerschaftsmonaten und im ersten Lebensjahr rasant und benötigt große Mengen DHA für den Aufbau neuronaler Strukturen. Die DGE empfiehlt Schwangeren und Stillenden daher eine zusätzliche Aufnahme von mindestens 200 mg DHA pro Tag.

Stärken von DHA: Zentraler Baustein des Gehirns und der Netzhaut, entscheidend für kognitive Leistung und Sehkraft, besonders wichtig für Föten, Säuglinge und ältere Menschen. Bereits ab 250 mg pro Tag trägt DHA laut EFSA zur Aufrechterhaltung normaler Gehirnfunktion und Sehkraft bei.

Grenzen von DHA: In pflanzlichen Lebensmitteln nicht enthalten (nur in Algenöl). Die körpereigene Synthese aus ALA ist minimal (unter 0,5 %). Ohne Fisch oder Algenöl in der Ernährung ist eine ausreichende DHA-Versorgung kaum möglich.

Vergleichstabelle: ALA, EPA und DHA auf einen Blick

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen den drei Omega-3-Fettsäuren kompakt zusammen.

Eigenschaft ALA EPA DHA
Voller Name Alpha-Linolensäure Eicosapentaensäure Docosahexaensäure
Kettenlänge 18 C-Atome (kurzkettig) 20 C-Atome (langkettig) 22 C-Atome (langkettig)
Doppelbindungen 3 5 6
Herkunft Pflanzlich Marin (Fisch, Algen) Marin (Fisch, Algen)
Hauptquellen Leinöl, Chiasamen, Walnüsse, Rapsöl Lachs, Makrele, Hering, Algenöl Lachs, Sardine, Thunfisch, Algenöl
Hauptfunktion Vorstufe für EPA/DHA, Energielieferant Entzündungshemmung, Herz-Kreislauf-Schutz Gehirnstruktur, Sehkraft, kognitive Funktion
Empfohlene Tagesmenge ca. 1,3 g (DGE) zusammen mind. 250 mg (EFSA) zusammen mind. 250 mg (EFSA)
Vegan verfügbar? Ja (Pflanzenöle, Nüsse) Ja (Algenöl) Ja (Algenöl)

Die Umwandlung: Von ALA zu EPA und DHA

Der menschliche Körper besitzt Enzyme (Desaturasen und Elongasen), die ALA schrittweise in EPA und anschließend in DHA umbauen können. Dieser Stoffwechselweg klingt auf dem Papier vielversprechend, doch in der Praxis funktioniert er äußerst schlecht. Die Umwandlungsraten beim erwachsenen Menschen sind seit Jahrzehnten Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, und die Ergebnisse sind ernüchternd.

Umwandlungsweg und Effizienz

ALA 100 %
5 bis 10 %
EPA ca. 5 bis 10 %
< 0,5 %
DHA < 0,5 %

Konkret bedeutet das: Von 10 g aufgenommener ALA werden bestenfalls 0,5 bis 1 g in EPA umgebaut. Nur ein winziger Bruchteil davon (weniger als 0,05 g) erreicht die DHA-Stufe. Mehrere Faktoren verschlechtern diese ohnehin geringen Raten zusätzlich: ein hoher Anteil an Omega-6-Fettsäuren in der Nahrung (Enzymkonkurrenz), Alkoholkonsum, Rauchen und zunehmendes Alter.

Eine bemerkenswerte Ausnahme bilden Frauen im gebärfähigen Alter: Studien zeigen, dass die DHA-Synthese bei ihnen effizienter abläuft als bei Männern. Wissenschaftler vermuten, dass dies eine evolutionäre Anpassung ist, um die DHA-Versorgung des Fötus über die Plazenta sicherzustellen. Trotzdem empfiehlt die DGE auch Schwangeren eine direkte Zufuhr von mindestens 200 mg DHA pro Tag, um den erhöhten Bedarf zu decken.

Welche Omega-3-Form brauche ich?

Die Antwort hängt von der individuellen Lebenssituation und den Gesundheitszielen ab. In den meisten Fällen profitieren Menschen von einer Kombination aller drei Formen. Die folgenden Empfehlungen helfen bei der Orientierung.

ALA

ALA als tägliche Grundversorgung

Jeder Mensch sollte seine ALA-Versorgung sicherstellen. Das gelingt bereits mit einem Esslöffel Raps- oder Leinöl im Salat oder einer Handvoll Walnüsse als Snack. ALA bildet die Basis der Omega-3-Versorgung und ist besonders einfach über pflanzliche Lebensmittel verfügbar.

EPA

EPA für Herz und Entzündungskontrolle

Wer seine Herzgesundheit unterstützen, Entzündungsprozesse regulieren oder hohe Triglyceridwerte senken möchte, sollte gezielt auf eine ausreichende EPA-Zufuhr achten. Das gelingt über regelmäßigen Fischverzehr (ein- bis zweimal pro Woche) oder über Fischöl- bzw. Algenöl-Präparate.

DHA

DHA für Gehirn, Augen und Kinderentwicklung

DHA ist besonders relevant für Schwangere und Stillende, für Kinder in der Entwicklung, für ältere Menschen mit dem Ziel der kognitiven Gesunderhaltung und für alle, die ihre Sehkraft unterstützen wollen. Da die körpereigene Synthese aus ALA minimal ist, sollte DHA direkt über fetten Fisch oder Algenöl aufgenommen werden.

Praxistipp

Die EFSA empfiehlt für gesunde Erwachsene mindestens 250 mg EPA und DHA kombiniert pro Tag. Diese Menge erreichen Sie z. B. mit zwei Portionen fettem Seefisch pro Woche. Wer keinen Fisch isst, kann auf Algenöl-Kapseln zurückgreifen, die sowohl EPA als auch DHA enthalten. Zusätzlich sollte ALA über pflanzliche Öle und Nüsse in den Speiseplan integriert werden.

Die besten Quellen sortiert nach Omega-3-Form

Wer gezielt ALA, EPA oder DHA aufnehmen möchte, sollte wissen, welche Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel die jeweilige Fettsäure in relevanten Mengen liefern.

ALA

ALA-Quellen

Leinöl (1 EL)ca. 7.300 mg
Chiasamen (30 g)ca. 5.700 mg
Walnüsse (30 g)ca. 2.700 mg
Rapsöl (1 EL)ca. 1.300 mg
Hanföl (1 EL)ca. 2.400 mg
EPA

EPA-Quellen

Hering (100 g)ca. 900 mg
Makrele (100 g)ca. 730 mg
Lachs (100 g)ca. 650 mg
Sardine (100 g)ca. 500 mg
Algenöl (1 Kapsel)ca. 125 mg
DHA

DHA-Quellen

Lachs (100 g)ca. 1.350 mg
Makrele (100 g)ca. 1.070 mg
Hering (100 g)ca. 800 mg
Sardine (100 g)ca. 900 mg
Algenöl (1 Kapsel)ca. 250 mg

Die Werte in der Übersicht sind Durchschnittswerte und können je nach Herkunft, Fanggebiet und Zubereitung schwanken. Eine ausführliche Lebensmitteltabelle mit weiteren Quellen finden Sie im Artikel Omega-3-Lebensmittel-Tabelle.

Zusammenfassung

ALA ist die pflanzliche Basisform (Leinöl, Walnüsse, Rapsöl). Sie ist die einzige streng essentielle Omega-3-Fettsäure und dient als Vorstufe für EPA und DHA.

EPA ist der marine Entzündungshemmer (Fisch, Algenöl). Sie schützt Herz und Gefäße, senkt Triglyceride und bildet entzündungshemmende Botenstoffe.

DHA ist der Gehirnbaustein (Fisch, Algenöl). Sie ist unverzichtbar für kognitive Funktion, Sehkraft und die kindliche Gehirnentwicklung.

Die Umwandlung von ALA in EPA (5 bis 10 %) und DHA (< 0,5 %) ist beim Menschen äußerst ineffizient. Pflanzliche ALA allein reicht daher meist nicht aus.

Optimale Versorgung bedeutet: ALA über pflanzliche Öle und Nüsse, plus EPA und DHA direkt über fetten Fisch (1 bis 2× pro Woche) oder Algenöl-Supplemente.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. DGE: D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Fett und essentielle Fettsäuren, 2. Auflage, 6. aktualisierte Ausgabe (2024).
  2. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies: Scientific Opinion on Dietary Reference Values for fats. EFSA Journal (2010); 8(3):1461.
  3. Burdge GC, Calder PC: Conversion of alpha-linolenic acid to longer-chain polyunsaturated fatty acids in human adults. Reprod Nutr Dev (2005); 45(5):581-597.
  4. Burdge GC, Wootton SA: Conversion of alpha-linolenic acid to eicosapentaenoic, docosapentaenoic and docosahexaenoic acids in young women. Br J Nutr (2002); 88(4):411-420.
  5. Calder PC: Omega-3 fatty acids and inflammatory processes: from molecules to man. Biochem Soc Trans (2017); 45(5):1105-1115.
  6. Shahinfar H et al.: A systematic review and dose response meta analysis of Omega-3 supplementation on cognitive function. Sci Rep (2025); 15(1):30610.
  7. Lebensmittelverband Deutschland: „Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren".
  8. BfR: Stellungnahme Nr. 030/2009 zur Anreicherung von Lebensmitteln mit Omega-3-Fettsäuren.
  9. UGB (Unabhängige Gesundheitsberatung): Omega-3-Fettsäuren ins Essen. ugb.de.
Ringo Dühmke

Inhaltlich geprüft von Ringo Dühmke

Gesundheitsjournalist mit über 25 Jahren Erfahrung als Chefredakteur von rundumgesund.de und 100-Gesundheitstipps.de. Letzte inhaltliche Prüfung: 16. März 2026. Dieser Artikel basiert auf den oben genannten wissenschaftlichen Quellen.

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