Hanfsamen und Hanföl

Die Omega-3-Quelle mit dem idealen Fettsäureverhältnis: Warum Hanfsamen mit ihrem natürlichen 3:1-Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3, der seltenen Gamma-Linolensäure und vollständigem Protein ein echtes Superfood sind.

Ringo Dühmke
Verfasst vonRingo Dühmke
Aktualisiert: 17. März 2026
Lesezeit: ca. 15 Min.

Omega-3-Gehalt: ALA, GLA und Stearidonsäure

Hanfsamen (Cannabis sativa) gehören zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit. Die Samen des Speisehanfs, botanisch korrekt „Hanfnüsschen" genannt, bestehen zu 70 bis 80 % aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Der Omega-3-Anteil in Form von Alpha-Linolensäure (ALA) liegt bei 8 bis 14 g pro 100 g Hanfsamen. Das daraus gepresste Hanföl enthält 15 bis 25 % ALA. Das Besondere dabei: Das Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis beträgt auf natürliche Weise ca. 3:1, was von Ernährungsexperten als ideal angesehen wird.

Wichtig vorweg: Hanfsamen aus Speisehanf (Nutzhanf) enthalten kein THC (Tetrahydrocannabinol), die psychoaktive Substanz der Rauschpflanze. Speisehanf ist legal, frei verkäuflich und ein ganz normales Lebensmittel. Er hat nichts mit Marihuana zu tun.

Hanfsamen und Hanföl auf einen Blick

8 bis 14 g

ALA pro 100 g Hanfsamen

Hanföl: 15 bis 25 g ALA pro 100 g (ca. 17 bis 20 % Anteil)

3:1

Omega-6 zu Omega-3

Von Natur aus im idealen Bereich (DGE empfiehlt max. 5:1)

2 bis 4 %

Gamma-Linolensäure (GLA)

Seltene entzündungshemmende Fettsäure, sonst nur in Nachtkerzen- und Borretschöl

Nährwertprofil: Protein, Mineralstoffe und Vitamine

Hanfsamen sind nicht nur eine hervorragende Omega-3-Quelle, sondern auch eines der wenigen pflanzlichen Lebensmittel mit einem vollständigen Aminosäureprofil. Das bedeutet: Sie enthalten alle neun essenziellen Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Dazu kommen beachtliche Mengen an Magnesium, Eisen, Zink und Vitamin E.

NährstoffPro 100 g Hanfsamen (geschält)Pro 30 g (3 EL)Bedeutung
Kalorienca. 553 kcalca. 166 kcalEnergiereich, in üblicher Portion (30 g) moderat
ALA (Omega-3)ca. 8 bis 14 gca. 2,4 bis 4,2 gDeckt den DGE-Tagesbedarf (1,5 g) deutlich
Gesamtfettca. 49 gca. 14,7 gCa. 80 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren
Eiweißca. 31 gca. 9,3 gVollständiges Aminosäureprofil, glutenfrei, reich an Arginin
Ballaststoffeca. 4 g (geschält)ca. 1,2 gUngeschält deutlich mehr (ca. 28 g)
Magnesiumca. 700 mgca. 210 mgExtrem hoch: 3 EL decken ca. 55 % des Tagesbedarfs
Eisenca. 8 mgca. 2,4 mgRelevant für die Eisenversorgung bei pflanzlicher Ernährung
Zinkca. 10 mgca. 3 mgWichtig für Immunsystem und Haut
Vitamin Eca. 6 mgca. 1,8 mgNatürlicher Oxidationsschutz für die empfindlichen Omega-3-Fette

Vollständiges Protein: Alle 9 essenziellen Aminosäuren

Hanfsamen gehören zu den wenigen pflanzlichen Lebensmitteln, die alle neun essenziellen Aminosäuren in relevantem Umfang enthalten. Das macht sie zu einer wertvollen Proteinquelle für Vegetarier und Veganer. Besonders hoch ist der Gehalt an Arginin, einer Aminosäure, die im Körper zu Stickstoffmonoxid umgewandelt wird. Stickstoffmonoxid hält die Blutgefäße elastisch und weitet sie, was den Blutdruck senken und die Herz-Kreislauf-Gesundheit fördern kann.

Die seltene Gamma-Linolensäure (GLA): Das Alleinstellungsmerkmal

Was Hanfsamen und Hanföl von allen anderen pflanzlichen Omega-3-Quellen unterscheidet, ist ihr Gehalt an Gamma-Linolensäure (GLA). GLA ist eine seltene Omega-6-Fettsäure, die der Körper normalerweise aus Linolsäure herstellen muss. Bei vielen Menschen funktioniert diese Umwandlung jedoch schlecht (z. B. bei Diabetes, im Alter, bei Zinkmangel oder bei hohem Alkoholkonsum). Hanföl liefert GLA direkt und umgeht damit diesen Engpass.

Seltene Fettsäure

GLA: Wofür sie bekannt ist

Entzündungshemmend: GLA wird zu DGLA (Dihomo-Gamma-Linolensäure) umgebaut, die entzündungshemmende Prostaglandine der Serie 1 bildet

Hautgesundheit: Therapeutisch eingesetzt bei Neurodermitis und Schuppenflechte (Psoriasis), innerlich und äußerlich

Hormonhaushalt: Hilft bei PMS (prämenstruelles Syndrom) und Wechseljahresbeschwerden

Blutdruck: Studien zeigen eine blutdrucksenkende Wirkung

Bonus-Fettsäure

Stearidonsäure (SDA): Der EPA-Beschleuniger

Hanföl enthält neben ALA auch Spuren von Stearidonsäure (SDA), einer Omega-3-Fettsäure

SDA wird im Körper deutlich effizienter zu EPA umgewandelt als ALA, da sie den begrenzenden Delta-6-Desaturase-Schritt überspringt

Zusammen mit GLA blockiert SDA die Umwandlung von Linolsäure in entzündungsfördernde Substanzen

Dieses Zusammenspiel macht Hanföl einzigartig unter den Speiseölen

Die Kombination aus ALA, GLA und Stearidonsäure macht Hanföl zu einem Speiseöl, das über gleich mehrere Mechanismen chronischen Entzündungen entgegenwirkt. GLA kommt in der Natur nur in wenigen Ölen vor: Nachtkerzenöl (ca. 8 bis 10 %), Borretschöl (ca. 20 bis 25 %) und Hanföl (ca. 2 bis 4 %). Im Gegensatz zu Nachtkerzen- und Borretschöl ist Hanföl aber ein vielseitiges Speiseöl mit angenehmem, nussigem Geschmack und nicht nur ein therapeutisches Ölpräparat.

Hanfsamen vs. Leinsamen und Chiasamen

Hanfsamen, Leinsamen und Chiasamen sind die drei großen pflanzlichen ALA-Quellen. Jeder hat eigene Stärken, und die klügste Strategie ist, alle drei abwechselnd oder in Kombination zu nutzen.

KriteriumHanfsamenLeinsamenChiasamen
ALA (Omega-3)8 bis 14 g/100 g16 bis 23 g/100 gca. 18 g/100 g
Omega-6:33:1 (ideal)0,3:10,3:1
GLA2 bis 4 % (einzigartig)KeineKeine
Proteinca. 31 g/100 gca. 22 g/100 gca. 17 g/100 g
Alle essenz. Aminosäuren?Ja (vollständig)NeinJa
GeschmackNussig, mild, angenehmHerb, nussigNeutral (geschmacklos)
Schroten nötig?Nein (geschält sofort nutzbar)Ja (sonst unverdaut)Nein
Höchstmenge/TagKeine (unbegrenzt)Max. 20 g (BfR)Max. 15 g (Novel Food)
Preis (ca.)ca. 15 bis 25 €/kgca. 3 bis 6 €/kgca. 10 bis 20 €/kg

Die Stärke der Hanfsamen liegt weniger im absoluten ALA-Gehalt (hier liegen Leinsamen und Chiasamen vorn), sondern im Gesamtpaket: das ideale 3:1-Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3, die einzigartige Gamma-Linolensäure, der höchste Proteingehalt mit vollständigem Aminosäureprofil, keine Mengenbeschränkung, angenehmer Geschmack und keine Notwendigkeit zum Schroten. Hanfsamen sind damit die vielseitigste und alltagstauglichste pflanzliche Omega-3-Quelle.

Hanfsamen vs. Hanföl: Was ist besser?

Wie bei Leinsamen und Leinöl gilt auch hier: Beide ergänzen sich, haben aber unterschiedliche Stärken.

Geschälte Hanfsamen (Hanfnüsschen)

Liefern ALA, GLA, Protein, Magnesium, Eisen, Zink und Vitamin E

Vollständiges Aminosäureprofil (alle 9 essenziellen Aminosäuren)

Geschälte Variante ist sofort essbar, nussiger Geschmack

Vielseitig: Müsli, Salat, Smoothie, Brot, Pesto, pur als Snack

Keine Mengenbeschränkung, glutenfrei

Hanföl (kaltgepresst)

Höhere ALA-Konzentration als Samen (15 bis 25 % ALA)

Enthält GLA (2 bis 4 %) und Stearidonsäure (Spuren)

Kein Protein, keine Ballaststoffe, keine Mineralstoffe

Nur für die kalte Küche (nicht erhitzen!)

Charakteristisch grünlich-braune Farbe, nussig-herb im Geschmack

Im Kühlschrank lagern, nach Anbruch innerhalb von 6 bis 8 Wochen verbrauchen

Die beste Strategie: Geschälte Hanfsamen als täglichen Allrounder (Müsli, Salat, Snack) für das volle Nährstoffpaket nutzen. Hanföl als Ergänzung in Salatdressings und kalten Speisen für die höchste ALA- und GLA-Konzentration. 15 bis 20 g Hanföl pro Tag reichen laut Experten aus, um den Tagesbedarf an essenziellen Fettsäuren vollständig zu decken.

ALA allein reicht nicht: Die bekannte Einschränkung

Auch für Hanfsamen und Hanföl gilt die gleiche Einschränkung wie für alle pflanzlichen ALA-Quellen: Die Umwandlung von ALA zu EPA (5 bis 12 %) und besonders zu DHA (unter 2 %) ist im menschlichen Körper sehr begrenzt. Die in Hanföl enthaltene Stearidonsäure verbessert die EPA-Umwandlung zwar etwas, aber für die DHA-Versorgung bleibt das Problem bestehen.

Hanfsamen ersetzen keinen Fisch und kein Algenöl

Hanfsamen und Hanföl liefern ein einzigartiges Gesamtpaket aus ALA, GLA, Stearidonsäure, vollständigem Protein und Mineralstoffen. Für die biologisch aktiven Omega-3-Formen EPA und DHA (essenziell für Herz, Gehirn, Augen und Immunsystem) reicht die Umwandlung aber nicht aus. Wer keinen Fisch isst, sollte zusätzlich ein Algenöl-Präparat einnehmen. Es gibt inzwischen auch Hanföl-Produkte mit zugesetztem Algenöl (DHA+EPA), die beide Vorteile vereinen.

Praxistipps: Einkauf, Lagerung und Verwendung

Geschälte Hanfsamen bevorzugen: Die geschälten „Hanfnüsschen" (Hanfherzen) sind die praktischste Form. Sie haben einen milden, nussigen Geschmack und sind sofort essbar. 2 bis 3 EL pro Tag (ca. 20 bis 30 g) liefern rund 2 bis 4 g ALA plus 6 bis 9 g vollständiges Protein. Ideal als Topping für Müsli, Joghurt, Salat oder im Smoothie.

Hanföl nur kalt verwenden: Hanföl darf nicht erhitzt werden, da die empfindlichen Omega-3- und GLA-Fettsäuren bei Hitze oxidieren und schädliche Verbindungen entstehen können. Perfekt für Salatdressings, über Gemüse (nach dem Garen), in Quark, Dips oder Smoothies. 1 EL Hanföl (ca. 10 bis 15 ml) pro Tag liefert ca. 1,8 bis 3 g ALA.

Kühl und dunkel lagern: Geschälte Hanfsamen im Kühlschrank aufbewahren (mehrere Monate haltbar). Hanföl in dunkler Flasche im Kühlschrank lagern und nach Anbruch innerhalb von 6 bis 8 Wochen verbrauchen. Auf sauerstofffreie Abfüllung achten (schützt vor Ranzigwerden).

Bio-Qualität und regionale Herkunft: Hanf wird zunehmend auch in Deutschland und Österreich angebaut (kurze Transportwege, kontrollierter Anbau). Bio-Qualität schließt Pestizid- und Schwermetallbelastung weitgehend aus. Achten Sie auf „kaltgepresst" und „nativ" bei Hanföl.

Kein THC, kein Rausch, kein Problem

Speisehanfsamen und Hanföl stammen aus zugelassenen Nutzhanfsorten (Cannabis sativa) mit einem THC-Gehalt von unter 0,2 % (EU-Grenzwert). Sie enthalten kein CBD (Cannabidiol) in relevanten Mengen und haben keinerlei berauschende Wirkung. Speisehanf ist ein ganz normales Lebensmittel, frei verkäuflich im Supermarkt, Bioladen und online. Die Verwechslung mit Marihuana ist unbegründet, hält sich aber hartnäckig und bremst die Verbreitung dieses wertvollen Lebensmittels leider noch immer.

Zusammenfassung

Ideales Fettsäureverhältnis: Das natürliche Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis von 3:1 ist unter allen Speiseölen einzigartig und liegt genau im empfohlenen Bereich. 8 bis 14 g ALA pro 100 g Hanfsamen, 15 bis 25 g ALA pro 100 g Hanföl.

Einzigartige GLA: Hanföl enthält 2 bis 4 % Gamma-Linolensäure, eine seltene entzündungshemmende Fettsäure, die sonst nur in Nachtkerzen- und Borretschöl vorkommt. Dazu Spuren von Stearidonsäure, die die EPA-Umwandlung beschleunigt.

Protein-Champion: Ca. 31 g Protein pro 100 g mit allen 9 essenziellen Aminosäuren. Dazu 700 mg Magnesium (höchster Gehalt aller gängigen Samen), 10 mg Zink und 8 mg Eisen.

Alltagstauglich: Geschälte Hanfsamen sind sofort essbar (kein Schroten nötig), haben einen angenehm nussigen Geschmack, keine Höchstmenge, keine Novel-Food-Einschränkung und sind glutenfrei.

ALA allein reicht nicht: Wie bei Leinsamen und Chiasamen ist die Umwandlung zu EPA und DHA zu gering für eine vollständige Versorgung. Wer keinen Fisch isst, braucht zusätzlich Algenöl. Tipp: Es gibt Hanföl-Produkte mit zugesetztem Algenöl (DHA+EPA).

Kein THC, kein Rausch: Speisehanf enthält unter 0,2 % THC, kein CBD in relevanten Mengen und hat keinerlei berauschende Wirkung. Ein normales, frei verkäufliches Lebensmittel.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Souci, Fachmann, Kraut: Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwert-Tabellen (8. Aufl., 2016). Hanfsamen.
  2. USDA FoodData Central: Hemp seed, hulled. U.S. Department of Agriculture.
  3. Callaway JC: Hempseed as a nutritional resource: An overview. Euphytica (2004); 140:65-72.
  4. DGE: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Fett und Alpha-Linolensäure (2015).
  5. Strunz U, Jopp A: Fit mit Fett. Zu den Omega-3-Eigenschaften von Hanföl (2002).
  6. Saint Charles Apotheke: Das optimale Omega-3/6-Verhältnis von Hanf (2025).
  7. Zentrum der Gesundheit: Hanföl, eines der besten Speiseöle. Fettsäureprofil und GLA.
  8. Burdge GC, Calder PC: Conversion of alpha-linolenic acid to EPA and DHA in human adults. Reprod Nutr Dev (2005); 45(5):581-597.
  9. EU-Verordnung: Nutzhanfsorten mit THC-Gehalt unter 0,2 % (zulässige Sorten).
  10. Hanfland GmbH: Omega-3 Hanföl mit DHA und EPA aus Mikroalgen (2024).
Ringo Dühmke

Inhaltlich geprüft von Ringo Dühmke

Gesundheitsjournalist mit über 25 Jahren Erfahrung als Chefredakteur von rundumgesund.de und 100-Gesundheitstipps.de. Letzte inhaltliche Prüfung: 17. März 2026. Dieser Artikel basiert auf den oben genannten wissenschaftlichen Quellen.

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